Ein fesselnder Blick zurück

Im Rahmen der Projekttage an der Freibühlschule Engstingen beschäftigten sich 27 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen fünf bis neun mit der spannenden Geschichte ihrer Gemeinde.

Das Engstingen ein Schloss hatte, konnte der überwiegende Teil der Projektgruppe zunächst kaum glauben. Skeptisch wandern die Blicke der Heranwachsenden zwischen den verantwortlichen Lehrern, Alexander Tomisch, Alexander Beiter sowie Jochen Frey, und den anderen Kindern umher. Erst als ein digitalisierter Plan der Schlossanlage und auch eine Ansicht des Schlosses aus dem Hauptstaatsarchiv präsentiert wird, weicht das Misstrauen der Gewissheit. Als im Nachgang weitere Besonderheiten der Albgemeinde thematisiert werden, etwa der überregional bekannte Sauerbrunnen oder auch die ehemalige Zugehörigkeit zum schweizerischen Bistum Chur, ist die Irritation beinahe greifbar. In dem vermeintlich bekannten Heimatort scheint doch weitaus mehr zu stecken, als man zuvor dachte.

Um die Beschäftigung mit den historischen Gegebenheiten möglichst reizvoll zu gestalten, entschieden sich die Organisatoren für einen möglichst authentischen und unmittelbaren Zugang in Form von Originalquellen, wie er vom Hauptstaatsarchiv in Stuttgart und auch vom Kreisarchiv Reutlingen geboten wird. „Das Entgegenkommen beider Einrichtungen lässt sich nur als beispielhaft beschreiben“, erklärt Geschichtelehrer Alexander Tomisch und fügt an: „Die Expertise und Leidenschaft der Referenten und Referentinnen hat sich zusehends auf die Kinder übertragen und zu wirklich schönen Momenten geführt.“ Für Dr. Felix Teuchert vom Hauptstaatsarchiv sind derlei Projekte immer eine Herzensangelegenheit, weshalb er nicht nur sofort nach Stuttgart einlud, sondern auch viele Stunden auf die Abstimmung und sorgfältige Auswahl verwendet hat. „Als zentrales Gedächtnis des Landes freut es uns natürlich besonders, wenn gerade auch sehr junge Menschen eine Neugier für die Geschichte ihrer Gemeinde zeigen und wir werden immer bestrebt sein, hier passgenau zu unterstützen.“

Bei der weiteren Arbeit am Projekt in der Schule setzte ein ganzes Team des Kreisarchivs dann sogar noch einen drauf, obwohl durch den hauseigenen Umzug ins Landratsamt kaum entbehrlich: Mit drei Historikerinnen und Historikern und kistenweise Büchern, Karten und anderweitigen Dokumenten brachten sie das derzeit nicht nutzbare Archiv in die Schule – Baumwollhandschuhe für die Arbeit mit den Originalen inklusive. Annette Bidlingmaier, stellvertretende Leiterin des Kreisarchivs, besah im Vorfeld nicht nur das Engstinger Archiv nach geeignetem Material, sondern brachte sich auch bei der pädagogischen Ausgestaltung intensiv ein und zeigt sich im Arbeitsprozess sehr zufrieden: „Die Schülerinnen und Schüler setzen sich wirklich großartig ein und rechtfertigen den beträchtlichen Aufwand damit allemal.“

Das verantwortliche Lehrerteam war von Beginn an ergebnisoffen, konnte aber mit viel Material im Hintergrund in alle Richtungen unterstützen. Die Schülerinnen und Schüler sollten im besten Fall ganz nach Kleingruppeninteresse bei dem Unterfangen ihre eigenen Schwerpunkte setzen. Umso glücklicher ist man nun über weitestgehend famose Arbeitsergebnisse, wie etwa einer selbstgezeichneten großen Karte, die Auskunft gibt über die historischen Highlights von Engstingen. Oder Videos zur chemischen Untersuchung der Wasserqualität des Sauerbrunnens, die erklären, warum Menschen zu jeder Zeit auch von weit hergekommen sind, um sich das kühle Nass abzufüllen. Durch die vielen kleinen und großen Erkenntnisse ist für Alexander Tomisch das Projektziel voll erreicht: „Es war uns wichtig ein historisches Bewusstsein zu schaffen oder zu vertiefen. Durch die Auseinandersetzung mit der Geschichte der alltäglichen Lebensumgebung ist dies mehr als gelungen.“

Und eines dürfte in jedem Fall den Schülerinnen und Schülern definitiv klar geworden sein: Engstingen und auch die anderen Ortschaften haben viel mehr zu bieten und zu erzählen, als man auf den ersten Blick sieht. Das dürfte die Kinder von nun an kaum mehr überraschen.

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